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Lakeside Inn erinnert mit seinem Debut „Tommorow Will Be Done“ abseits der vertrauten Rock- und Popeinbahnstraße, gekonnt an Genrevielfalt und beweist, dass Exportschlager aus Great Britain und Skandinavien nicht als alternativloses Nonplusultra im Independent-Kosmos begriffen werden müssen. Nachlässen von Bands wie U2, Tears for Fears und Ultravox werden neue Lebensgeister eingehaucht, klingt jedoch nicht nach angestaubtem 80 ́s-Pop. Vielmehr verbinden sie Elemente jener Zeit mit der Nahbarkeit einer klassischen Pianoklaviatur und schnörkellosen Gitarrenriffs, die hier und da von komplexen Orchestralthemen umwoben werden.

 

Was die fünf Newcomer da zusammenmischen hört sich ein wenig nach einem Cocktail aus The Smiths und den frühen Killers an, ohne aber aufdringlich zu werden. Ihre Songs funktionieren. Auch wenn oder gerade weil sie nicht nach uninspirierten und wundgehörten Komponenten aus dem „Song–Baukasten“ klingen. Allein einlassen muss man sich auf die oft schwermütige, fast psychodelische Musik.

 

Lakeside Inn wollen keine partywütige Masse ansprechen. Sie versuchen ihre Zuhörer mitzunehmen auf eine Reise durch des Menschen innerste emotionale Gedankenwelt, bleiben dabei aber greifbar und verschonen uns mit schmallippiger, wieder aufgewärmter Instantschwülstigkeit anderer Künstler. Leadsänger Andre Osthues hat sich mit seinen Texten Liebes- und Lebensfrust von der Seele geschrieben, ist dabei aber nicht nur verzagt, sondern gibt auch Grund zur Hoffnung. So erzählt uns der sechsminütige Titel „Tomorrow will be done“, der, obwohl solche Vergleiche immer hinken werden, in seiner Gestalt ein wenig an John Miles Meisterwerk „Music“ erinnert, davon, dass der nächste Tag, ob mit oder ohne uns und ungeachtet dessen, was wir unternehmen, um ihn zu beeinflussen, schon ungeduldig danach lechzt, über uns herein zu brechen. Es wirkt fast schon subtil, wie die Band so ein Thema ans Ende von insgesamt zwölf Songs platziert hat und ihre Zuhörer gebannt zurücklässt. Ein Gefühl, als hätte man ein Buch gelesen, in dem ein paar wichtige Seiten fehlen. Das ist aber ganz einfach die Art, der fünf, über die Jahre, durch ständige Besetzungswechsel und private Schicksalsfügungen gereiften „Midtwenties“ aus Münster, ihre Hörer, an ihren Gedanken teilhaben zu lassen.

 

Durch die Hilfe bauchiger, drückender Blasinstrumente und pompöser Streicher teilen sie mit dem Zuhörer ihre avantgardegefärbte Idee von zeitgemäßer und zutiefst atmosphärischer Popmusik. Heraus kommt dabei eine verletzliche Intimität zwischen Künstler und Konsumierendem, in welcher einer herbeigesehnten und doch nicht erwartbaren Stille, durch die Inszenierung einer fast überzüchteten Instrumentalwand brachial und jäh ein Ende bereitet wird. Die Band spielt mit diesen Extremen, belässt es aber dabei den Bogen nicht zu überspannen und kehrt, dann, wenn man es benötigt zurück zu sachdienlichem und vertrautem Mainstreampop.